Seit vielen Jahrzehnten ist den Wissenschaftlern bekannt, dass sich unter der Eiswüste der Antarktis riesige Seen verbergen. Bisher wurde jedoch davon ausgegangen, dass es sich dabei um isolierte Seen handelt. Der europäische Radarsatellit ERS-2 konnte jetzt zeigen, dass Flüsse unter der Eisdecke möglicherweise gewaltige Mengen von Flutwasser von einem See in den anderen tragen.
Dies entdeckten britische Wissenschaftler bei der Untersuchung von Änderungen der Oberflächenhöhe der Eisdecke. Extrem genaue Radarmessungen der Oberflächenerhebung ergaben, dass das Eis über einem der Seen um rund drei Meter abgesunken ist. Zweihundertneunzig Kilometer davon entfernt ist die Eisschicht über zwei verschiedenen darunter verborgenen Seen angestiegen.
Diese Änderungen der Eiserhebung ließen sich dadurch erklären, dass unter der vier Kilometer dicken Eisdecke ein Fluss von der Größe der Londoner Themse fließt. Über einen Zeitraum von 16 Monaten müssen ungefähr 1,8 Kubikkilometer Wasser durch einen Tunnel im festen Eis geströmt sein.
“Die neuen Daten zeigen, dass die Seen unter dem Eis ab und an wie Sektkorken nach oben schießen und über weite Strecken herangeströmte Wassermengen freigeben", erklärt Prof. Duncan Wingham (University College, London).
“Eine unserer größten Sorgen ist, dass bei Bohrungen in den Seen neue Mikroben eingeführt werden könnten", sagte Prof. Wingham weiter. “Unsere Daten machen klar, dass jegliche Verunreinigung nicht auf einen See beschränkt bleibt, sondern sich mit der Zeit über die gesamte Länge des Flussnetzwerks ausbreiten würde. Wir haben uns diese Seen als isolierte Biologielabors vorgestellt. Jetzt müssen wir umdenken.”
“Wir hatten diese Seen bisher als isolierte biologische Laboratorien betrachtet. Nun müssen wir unsere Sichtweise überdenken.”