Hoch über dem eisigen Kontinent der Antarktis hält das ESA-Raumfahrzeug „Envisat“ Wache – und was seine Instrumente beobachten, ist ziemlich beunruhigend.
Temperaturen weit unter Null und vom Menschen hergestellte Chemikalien verbinden sich zu einem „Loch“ in der Ozonschicht. So wie es aussieht, entsteht dieses Jahr das größte Ozonloch seit Beginn der Aufzeichnungen.
Mitte August 2005 war es bereits auf eine Ausdehnung von 10 Millionen Quadratkilometern angewachsen – also rund die Größe von ganz Europa. Und man geht davon aus, dass es sich im September weiter ausbreitet.
Das Ozonloch wurde erstmals in der Mitte der 80er-Jahre entdeckt und ESA-Satelliten untersuchen es seit 1995 pausenlos. Nach den Aufzeichnungen dieser Untersuchungen waren zu dieser Jahreszeit nur die Löcher von 1996 und 2000 größer als das diesjährige.

Ozon ist eine Form von Sauerstoff. Kleine Ozonmengen finden wir in der Stratosphäre, zwischen 20 und 50 km über der Erde.
Die Ozonschicht ist für uns sehr wichtig, da sie uns vor Ultraviolettstrahlung schützt, die Hautkrebs verursachen kann. Doch chemische Reaktionen mit Chlor, das vom Menschen produziert wird und in die höheren Wolkenschichten gelangt, zerstören das Ozon.
Mit Beginn des polaren Frühlings bewirkt die Kombination aus wiederkehrendem Sonnenlicht und den Chlorreaktionen, dass sich die Ozonmoleküle in Sauerstoff aufspalten. Ein einzelnes Chlormolekül kann tausende Ozonmoleküle aufspalten.
Die Informationen von Envisat sind von zentraler Bedeutung für die Überwachung der jahreszeitlichen Veränderungen dieser Schutzschicht. Die Satellitendaten werden einem Ozonüberwachungs- und -vorhersagedienst zugeführt, der beinahe in Echtzeit funktioniert und ein Projekt von über 30 Partnern aus 11 Ländern darstellt.