Superman konnte mit seinem Röntgenblick zwar durch Wände sehen, aber europäische Wissenschaftler haben eine noch außergewöhnlichere Fähigkeit entwickelt. Mit dem Radarecholot MARSIS an Bord des ESA-Orbiters Mars Express können sie nun mehrere Kilometer tief durch festes Eis oder Gestein sehen.
Bislang war es nur möglich, die Oberfläche eines Planeten zu erforschen. Der einzige Weg, an Informationen über die Beschaffenheit unter der Oberfläche zu gelangen, bestand darin, auf dem Planeten zu landen und zu graben oder zu bohren. Mit diesen Methoden kam man aber nur etwa einen halben Meter tief und das Ergebnis war nur für eine einzige Stelle auf dem großen Planeten aussagekräftig.
MARSIS, das erste Radarecholot in einer Umlaufbahn um eine andere Welt, hat uns gezeigt, dass man aus dem All unter die Oberfläche eines gesamten Planeten blicken kann. Jetzt, da man mehr über die Fähigkeiten eines Radarecholots weiß, denkt das MARSIS-Team über die Erkundung anderer Objekte im Sonnensystem nach.

Der Jupitermond Europa ist einer der Orte, an dem ein derartiges MARSIS-Experiment zu aufregenden Entdeckungen führen könnte. Europa ein Ozean (mit Leben?) befindet. Auch könnte mit Radar die Tiefe der Kohlenwasserstoffseen auf dem Saturnmond Titan gemessen werden. Man könnte die mächtigen Geysire untersuchen, die von Enceladus aus ins All sprühen, der ebenfalls ein Mond des Saturns ist.
Mit einem Radarecholot ließe sich das Innere von Asteroiden und Kometen genauestens absuchen. Hier auf der Erde könnte die MARSIS-Technik einen unschätzbaren Wert für die Untersuchung der Eisdecken in der Antarktis erlangen. Dank des Radar-„Durchblicks“ ist nun erstmals eine dreidimensionale Untersuchung von Planeten und Monden möglich!
